97_/30



















LANDSCHAFT MIT HEDWIG ___ 2025
farbstift, filzstift, kreiden, collagiert
15 x 15 cm







97_/29



















WIR BEDIENEN UNSERE KUNDEN
VON OBEN NACH UNTEN ___ 2025
farbstift, filzstift, kreiden, acryl, collagiert
15 x 15 cm







meine namen 39

spottet jeder sitte, verachtet die gekrönten häupter, verhöhnt jede autorität, wohnt am strand und in der höhle: ursula p.

gesetzesangst, leistungszwang, drill ohne ende: hosen runter, leichtfried, jetzt bist du dran!

»... eine freiheit, die im kommen ist«, sagt das seegras, das es bald nicht mehr gibt. »wann denn?«, fragt die yacht. »wir hassen sie!, wir schlachten sie ab!«, ruft die besatzung. »wir schieben euch alle ab, wenn ihr mit dem reden anfängt«, flüstert die frau an deck, die mit dem hass gemeint war. (vorhang)

innerlich frei, äußerlich an der leine der großmächte: schauspieler / wo war das ewige – im vergänglichen? / weniger eingekreist von existenzieller finsternis in der atmosphäre eines heiteren menschen: aldo, der schoßhund, mit seinem menschlichen freund harald / verbalerotik, aus der notwendigkeit heraus: seit niklas das ohr entdeckt hatte, umkreiste er es mit der ausdauer eines welpens, bravó!

100 holzskulpturen eines manikers: ihr arrangement wahlos, ihre ausführung halbherzig, ihre anzahl unheimlich: wir zogen ab ohne erkenntnis außer der, dass man sich einschränken muss, ruhe geben, aufhören. zuhause vernichteten wir unser werk der letzten 10 jahre und atmeten durch: erlöst die erde von unserem übermut!

lesung aus dem kleinen feuerroten buch: was war unser auftrag? wohin trieb uns die gier, der wunsch, zu besitzen, einzuhegen, abzugrenzen? wohin bauten wir unsere zäune: in die milchstraße, in den himmel hinauf?

»ich weiß jetzt, dass ich falsch lag, und errichte eine republik, cornelia« / rummel um einen onkel, der niemals interviews gab / mensch als gratisclown / treffpunkt: straße der einsamkeit, avenue der alten werte / zwischenmenschliche probleme, die wir mit post-its lösen – oder mit smiley-stickern / wo war mein BEITRAG ?, was tat ich wirklich? : war ich er?

wochenthema, ausgesetzt: »die geheimnisstruktur von allem«; heute stattdessen: »dichte beschreibung«





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KOMM REIN! ___ 2024
farbstift, filzstift, kreiden, collagiert
14,8 x 21 cm







meine namen 38

»WAS HAST DU, DAS DU NICHT EMPFANGEN HAST? WENN DU ES ABER EMPFANGEN HAST, WAS RÜHMST DU DICH DANN...?«

erweitern, versenken, bereichern: eine liebe im kartenhaus, eine liebe in der garage (kleiner war größer, ärmer war reicher, beschränkt war grenzenlos) / raus aus der welt, runter vom sinkenden schiff, rein in die zwischenzone: dort warte ich auf dich, armin!, mit leuchtenden gedanken, roten wangen, charisma und einem pausenbrot, das den namen verdient

geheimhalten, unsichtbar sein, streunen: marguerite, die »SCHEINFRAU«, die »ANGEBLICHE FRAU« / tanjas lebenslust, heftig wie ein geysir – und udos trägheit, angeboren: so lebten sie und liebten einander ein langes, langes leben lang (vorhang)

keine konkurrenz, keine lebensverleugnende arbeit, keine macht der inquisition! / liebesheirat aus innerer überzeugung – und äußerer notwendigkeit (glückspilz anastasia) / profil: heftig und zierlich (perfekte tarnung) / ein fehler im drehbuch und das ende einer karriere: »leila, ich sehe dich«

eine hand hält die andere, die andere die nächste, wir existieren zwei tage lang in form dieser menschenkette, harren aus, äußerlich stoisch, innerlich aufgewühlt, dennoch: nichts bringt uns ab von starken ideen, wir trotzen dem wetter, der politik, den kaiserinnen und kaisern: keiner macht fotos, keiner dokumentiert, stattdessen bleibt uns eine erinnerung in heftigen, flimmernden farben an unseren mut, verstehst du, heiko?

ärztliche anweisung: abkühlen und langsam streicheln, dem körper zeit lassen, dann aufschneiden, apparat einsetzen, zusammennähen, gut zureden, wiener frühstück, champagner / zorn am anfang, wut in der pause, langer groll gegen ende: irgendwann zuckerwatte zum trost (wer quält uns mit dieser dramaturgie??) / sunny, meine intimfreundin zum ausleben schmutziger gedanken, und herbert, der die kamera bedient / laissez faire im schwarzwald / hundeleben, algenleben, laubleben, kieselleben, lavaleben, das leben von staub am meeresgrund: die gedanken sind frei, niemand kann sie erraten !!





meine namen 37

bedeutungsschwer, trübselig, demütig: leyla / »viel grundlose unruhe in einem kleinen kopf« / zwei selbstporträts, auf denen wir kühner wirken, als wir sind – und eine seherin, die unser aktenzeichen interpretiert

omas partypyjama, zurückgelassen auf der baustelle von X: ein tristes bild als mittel gegen den (anderen) schmerz, und mittwochs eine spritze gegen die langeweile, und morgens und abends: wesentlichkeit & vergeistigung – und klaudia

ein barockes wasserspiel und viele pastellfarbene hanteln, die aus dem himmel auf uns fallen: es könnte auch anders sein


◊◊◊

I.
zwei, die sich kaum kennen: mimi, die halten will mitten in der salzwüste (»tristan, ich muss mal«) und gefasst ist trotz des liebeskummers, den sie mitschleppt wie einen schatten, der immer kleiner wird aber nicht leichter, und tristan, der den bus lenkt wie ein alter römer in der arena, den man bezahlt für das, was er kann: furchtlos rennen. »ich will nicht mehr in die zukunft!«, ruft jetzt ein altes kind aus der vorletzten reihe. es wachsen existentielle gedanken in der gruppe, weiß tristan, niemand, der klar sieht, kann sie wollen, sie glühen und stecken an (»was soll ich tun?«).
ja, denkt tristan, die dämmerung ist auch hier schön, nicht so schön wie in stuttgart natürlich, aber sie kommt und geht auch in der wüste, und wir haben besonnen und dankbar zu sein für dies und das, erinnert er das wort des patenonkels aus einer zeit, in der niemand flamingos kannte und keiner wusste, dass schwerkraft nur fast überall gilt: das war die vergangenheit.
tristan lässt den bus langsamer werden, bis er hält. mimi steigt aus und hockt sich dicht dahinter, fremd in dieser kargen umgebung wie alle und alles. diese reise ist nicht sinnloser als das meiste, das ich tue, denkt mimi: richtet sie irgendetwas in mir aus? alles verrinnt, alles verschwindet, und ich trage die unterwäsche einer toten: hat das eine bedeutung? – später schreibt sie in ein kleines heft (auf dem umschlag eine sonnenblume mit gesicht, die lacht): »pisse im salz, teile von mir in der wüste, wesentliches ungelöst, trotzdem zufrieden.«

II.
seite 3 in pippas notizbuch: »hungerbrot, fluchtreflex, gartenanlage«. zweiter absatz aus ihrer vorformulierten e-mail an a.: »ich schreibe diesen film auch ohne dich, alfred, aber mit deiner hilfe würde aus ihm etwas, das nicht nur den tag, die gegenwart, das drängende kennt, sondern auch das ruhende, versenkte, die EWIGKEITSWERTE: denn du kennst das leben wie jemand, der einmal ein auge verloren hat im hafen von tanger, der mit pilgern ging, mit einsiedlern aß, wie einer, der nur nickt, wenn andere plaudern, wie ein alter hase, der lächelt im auge des sturms, weil er weiß, dass die katastrophe ihn birgt. sag: kommst du mit mir?«


◊◊◊


weißt du, wie wir nach hause kommen, alfie?






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SCHULE DER BEGRIFFE:
»VERSCHLINGEN« ___ 2024
farbstift, filzstift, collagiert
14,8 x 21 cm







meine namen 36

der messias aus glas / lang gehegte wünsche, die nie in erfüllung gehen / angst vor allem / liebeshandlung und der raub einer hose in frankfurt am main, wo wir dastanden, wie uns einst jemand geschaffen haben musste: nackt aber glücklich, und pleite wie eh! / losungswort: heißhunger-auf-sprossen / alles aus prinzip, nichts am mittwoch, keine eier für tony, menschliches sandwich: okay, wenn’s sein muss, kostet aber extra

ich lebe – und du? / simulation und heiße ohren / arthur, der außerordentliche (mit mittelscheitel) / unten durch weil oben kein anstand / vertreter, verkäufer, verhandler und eine murmel im handschuh, die ausnahmsweise die erkenntnis bringt / eingabe in kleinbuchstaben: »l-a-v-o-u-r«

jahresthemen: »unstillbares verlangen«, »götterdämmerung«, »handarbeit«, »pausenclown«

*

»liebe geldgeber!
ich weiß: ihr fühlt euch unwohl. es liegt an mir, an meiner »undeutlichen art», an den signalen, die ich sende. euch plagt der instinkt, wegzurennen, unter den kissen zu verschwinden, euch in jemandes schoß zu wiegen. ihr sucht den ausweg, weil ihr so erzogen wurdet, oder es glaubt. ich aber harre stur aus: stramm stehend, unentspannt, schwer wie steine, unterkühlt und hart. ich gehe nirgendwohin, ich spüre nichts. lasst euch sagen, dass ich nicht auf euch warten werde im nächsten level: dass ich nicht meine arme ausbreite, um euch zu empfangen, euch abzuklopfen aus zuneigung, nicht das wochende mit euch verbringe, euch nicht tätschle, bis ihr glüht. seid so gerecht und gebt dieser wahrheit raum. verkriecht euch nicht in den illusionen über euch, über uns, und sagt einmal »danke«, wenn man euch die vorspeisen bringt. lebt schließlich mit diesen anweisungen, und missdeutet sie nicht als gut gemeinte ratschläge. arrivederci, cowboys, wir sehen uns nicht wieder.« (abgang, loungemusik)





meine namen 35

labrador / heißhunger / wollenes herz

fingernagel im bauchnabel des obervertreters von x: aautschiie, der arm des gesetzes langte nach mir, ich hatte gegen das protokoll verstoßen / hemmung, verklemmung, langsamkeit, über-ich: ICH auf dem empfang, ICH auf der gartenparty, ICH in der welt / collage meiner geheimnisse: filz auf leinwand, 2006

estella und ein klabautermann / repräsentantin der hohlwelt, außenministerin der versprengten: wir vertrauen dir! / paradox als weltbild – tief drinnen in der cordhose / klagemauer bei mir am revers (es war eine miniatur in der größe eines stecknadelkopfs: gepriesen sei das wirken der menschheit, oh wissen wir eigentlich, wozu wir fähig sind?!?) / plansoll der videocrew: eine lässige ableitung von frau prof. mareike blue-eyes von der tafel abfilmen – und sie selbst wie sie brilliert und noch ein ranking erklimmt, während dieses drehs, und ihr statement begleiten lässt von untertiteln in pink:

DAS WESENTLICHE
VOM UNWESENTLICHEN
UNTERSCHEIDEN


hüftschwung einiger aparter kinderstars / locke unter plexiglas: berufswunsch »reliquienpflege« / mysterium der verwandlung (in mist, in kompost) / langbein komarek / pleitegeier auf bewährung: horst, lass das versagen! / hinterhältig & ausnahmsweise dame / »vernunft kam nur auf dem umweg in dieses heim« / ein wiederkehrender höhepunkt dieser aufführung erscheint im bühnenbild unterm regenbogen als sprechende wolke mit gesicht: »manchmal da beneid’ ich schon die sonne, wenn sie zärtlich dein gesicht berührt«, alf / lebensentscheidung: getroffen im vollrausch

cindy als kolibri im handy (sie illustrierte das wort »flatterhaft« für dieses video im vogelkostüm: note eins minus) / jede verbindung auf erden gekappt: wir senden trotzdem weiter ins ewige all / auseinandersetzung mit drängenden themen der gegenwart: im transparenten stoffsack, in dem wir tapfer weiteratmen / verlust des charismas wegen noch einer gemeinheit / warum wir keinen halt fanden? wo (noch) begeisterung entstand? / traurige momente in x / paradesniffer thorsten: verführer unserer jugend / zentralkomittee aus 2024 / angriff, wutrede, ein gestelltes bein: auflistung von umständen, die uns belasteten und die uns schließlich kleinkriegten in sankt florian / keine idee / labsal für das kleinste ego mitteleuropas / ziemlich teures ersatzteil, eingebaut nah am menschlichen organ





frieder, jenny

frieder und jenny lassen voneinander ab, sie sind erschöpft, es ist dienstag. was man eigentlich tun muss, um nicht auszufransen, um zu bestehen voreinander als... »person«? trainieren? nachdenken? das buch lesen, das auf der anrichte liegt seit februar? die dusche reparieren? das dasein mit d schreiben – statt gar nicht?

liebe macht müde, ich muss mir die zehennägel schneiden, denkt jenny und lenkt sich ab vom themenkreis »unstillbare sehnsucht« und »eine zukunft, die nicht klappt«. es sind so gedanken, in denen wir hängen wie zum beispiel obst im netz hängt, wenn wir es halten, weiß auch frieder, der gar nicht angesprochen ist, aber meistens weiß, was im raum steht, weil er es schweben sieht wie ein schläfriges, halb runtergefahrenes hologramm, auf das niemand reagiert: es schwebt lange, es wartet, es hat zärtlichkeit gelernt von seinen erfinderinnen, kann sie aber nur abrufen, wenn ein mensch kommt, der sie will.

frieder liest aus jennys fingern im haar, aus diesen meistens gleichen gesten: aufeinander reagieren wollen, aber nicht können. einander aufnehmen wollen, aber es funktioniert nicht. keine verbindung haben. »heute keine verbindung«. nie eine verbindung! so ein desaster.

frieder leckt über jennys schulter. es ist nicht wichtig, verzweifelt zu sein, sagt diese stumme zunge, bedenke das: es ist nicht wichtig, es richtet nichts aus, macht keinen unterschied. frieder ist ein lebenskluger feuchter fisch – und etwas warmes. er kann knöpfe annähen, er weiß dinge über teppiche, die keiner sonst weiß außer jedes internet. er tunkt jenny ein. er dreht sie wie einen eiffelturmanhänger in der hand hin und her, macht sie beweglicher, als sie ist. und sie? sie ist begriffsstutzig und weiß nicht, wie viel das bedeutet, wie viel das eigentlich wiegt (weil es »folgenschwer« ist, weil es als handlung ein stein ist, der rollen kann, und andere anstoßen). »UNDANKBAR« steht auf dem schweren glacé-vorhang vor jennys gesicht, der dort jetzt erscheint. jenny lässt die inneren hunde los und sie zerfetzen ihn in 30 sekunden. das ist fast keine zeit.




meine namen 34

iltis / gedankenschule / diagnose: seelische verstopfung und träume von früher

liebesvorrat, lange leitung, witze, wiederholung, nachdenkliche pose, euphorische pose: ein stimmungsbild von uns im alltag (den wir gut aushalten) und ein bericht für die einwanderungsbehörde (von der wir abhängen)

manöver aus hingabe: ich halte dich am ohrläppchen und führe dich in eine prima zukunft, angelika / tanzschritte für die mehrheit: vorgeführt in der schule des lebens, die das leben ist

ein sehr langer doppelname, der von rechts nach links über einen bildschirm läuft: trotz technischer pannen ist dieser name nun vollständig, ich danke den verantwortlichen dafür und kann nun sagen, dass ich weiß, wie ich heiße / überlegungen unserer gefährten, während wir über die brücke gehen: wären wir nur ein bisschen wie die fische im teich, wären wir nur ein bisschen wie die brücke, wären wir nur nicht wir selber, es fiele uns alles leichter und wir wären klüger und hätten ein, zwei, drei ZIELE und liefen nicht sinnlos im kreis (glaubst du nicht?)

liebeshandlung in ermangelung ernsthafter alternativen, die (auch) jünger machen

sprachlos, mundfaul, gelangweilt, kein interesse: wie lange dauert das noch bei dir, tony? wann wirst du neu? wann jetten wir los ohne rücksicht auf DIESES LEBEN, das wir fliehen wollten, seit wir 14 sind??

»ich schenkte dir mein herz, und mir blieb nur der schmerz«, dichtet lucy im dusel, die finger im haar, den schweiß von zwei tagen zwischen den beinen: wer bin ich, dass ich über dich schreiben muss, richard?! lucy legt den stift neben sich auf die matratze und wühlt sich durch decken und kleider: wir gehen ab heute ganz andere wege, sagen die gedanken in großen lettern und stehen auf: WIR SCHREITEN VORAN!





meine namen 33

quasselstrippe / wunderkind / brocken als mensch

liebevoll, und gemeingefährlich / hund am fuß / traurige wahrheit: ich bin ein rüpelhaftes wesen, mama / nacktes ich / wärmekissen in der unterhose / »nein, laszlo, ich vergebe dir nicht!« (jetzt ein paukenschlag, abgespielt vom handy)

leben auf der hebebühne statt auf dem boden / wechselnde liebhaber und schöne haare / lauter lauser im nachthemd (es ist ein anstrengendes leben mit diesen strizzis, wissen die schwestern und fordern höhere löhne und kennen den aufrechten gang) / hirtenbrief von santa teresia: »ich gehe voraus, auf spinnenbeinen«

tanzende tiere sind menschen im kostüm / mein hund »ego« – und deiner / lasterhafter lebenswandel aus ehrlichem interesse / ich, wenn ich du bin / wunsch nach veränderung – und eine hand, die niemals loslässt auf der fahne, die wir halten (wir sind dialektische wesen in einer undialektischen welt)

wo war mein double, als ich es brauchte? / hitzige debatten und ein zauberstab / was jeder weiß: parteienverkehr nur in der achselhöhle, trini nannini / liebesbeweis mit dem boxhandschuh / stichwortgeberin clarissa d.: keine sorge, ich moderiere das leben so lange, bis mir jemand das mikro aus der hand reißt

fanatiker, die jeden knopf kontrollieren, oder knopfsammler, die ihre sache ernst nehmen? / nicht eine wahrheit, sondern zwei (erkenntnis der gemeinde) / einsiedler, die im telefonbuch stehen / vögel, die die post bringen – und das allernotwendigste, damit wir nicht rüberkommen wie die steinzeitler, weil wir nämlich die vorreiter sind / faultier-sticker im türrahmen / 10 hinterwäldler im genick: wie werde ich euch los, ohne dass ihr es merkt? wie?





meine namen 32

teile einer selbst, die ein kompliziertes eigenleben führen und ausbüchsen / diagnose: aristokratisch, gebieterisch, schön, schiefe ideen und ein großes haus voller obst / schlechtes englisch, unverbindliches gemurmel: alle sagen i love you / das marmarameer erfinden und die küstenlinie des oman / charakter: rätselhaft und unorthodox, penibel bei der abrechnung / eine seltsame empfindsamkeit erfasste schwester klara im garten: wie sich die äste der bäume bewegen im wind!, wie alles aussieht, alles lebt&webt!, wie alles irgendwohin strebt und uns mitzieht, mitreißt an manchen tagen!, und welche rolle darin die unsere ist, und welche nicht: wissen wir das!?

der clown gottes / »WO LIEGT DER FEHLER IN ALLEM, IN MIR ODER IN DER GESELLSCHAFT?« / sich verausgaben: auf partys / zurückhaltung am dienstag, wenn die sonne untergeht / hinterhalt aus freundschaft: lebensfehler / jede handlung eine ersatzhandlung, jede hingabe eine ankündigung der nächsten, jeder satz ein verweis und ein ausweichen: wo war der ausgang??

sich einander anvertrauen, ein geheimnis miteinander teilen: ja, okay, gut, aber: EIN GEHEIMNIS VOREINANDER HABEN !! ein geheimnis voreinander haben!! / lüsterne gedanken zwischen zwei schranken / ausmalbild als kunst / die lösung aus dresden, die wir vom bildschirm ablesen, weil wir müssen / alles ein spiel, alles programmiert, für alles gibt es eine belohnung und alles haben psychologen geplant: ich komme und rette dich, ich reiche dir die hand und streiche über deine verwundbare stelle, heike! / konsequenzen heute keine weil der haussegen schief hängt und wir alles leugnen / romantische verwicklung im drehbuch – und auf der straße / das leben als leben und die theorie als theorie (heute unvermischt) / keine koketterie von timmi (das bin ich) / mammutaufgaben, die wir nicht stemmen können, mit oder ohne drogen / zierlich und zögerlich: doppelbelastung / schreie ohne wirkung, weil keiner da ist / meine größten und offensichtlichsten fehler als aufdruck auf deinem t-shirt: feiertagsbild, im hintergrund glitzer / renata, die schwerenöterin, die laut vorlesen muss aus dem buch: »SKRUPEL UND TRAURIGKEIT – FORT AUS MEINEM HAUS!« (philipp neri) / la la la (kurze pause) la la la la la / preisfrage ohne antwort: wozu war es gut, was wir taten?? wem half es? geschah es aus eigensinn oder nicht?? / bandname: »hollistic callboy«





meine namen 31

das »ungehemmte individuelle« / mein gleichaltriger zwilling aldo: ständig im widerspruch mit der realität, unruhig, zum raufen aufgelegt, äußerlich auffällig, innerlich wüst, exzentrisch in allen fragestellungen und gedanken, lieb, wenn der regen fällt, zum versagen neigend in allem praktischen, häuslich schwierig, unerträglich an feiertagen, blau & grün / ablaufplan für dienstag: aufblühen, bei euch sein, bei mir sein, teilnehmen, unterschreiben, verabschieden, pyjama / dieses zusammenleben: nur ein »papierkorb der gefühle«? und der bestirnte himmel über uns: nur der hammer, unter dem wir wohnen?

aus dem schwarzen buch:

1
ich verschwand nur zum schein – und kehrte nur zum schein wieder zurück. ich wuchs in die erde hinein, verwurzelte mich dort, statt gen sonne zu streben (mein fehler). ich überwand mein kleines inneres system (verdauung, ego, körperbehaarung), leitete energien um, trat gegen die schwerkraft an. ich nähte mir ein bein an, das ich aus selbstüberschätzung verloren hatte. ich war die ärztin meiner selbst. und die organisatorin dieses wahns? (meines ruhms?) ich lebte die überforderung – mein überlebensprinzip. ich erkannte die tragik einer solchen existenz. ich hielt schwitzend durch. –––
planetenrauschen, kosmische angelegenheiten, transzendenz: mein dasein war in ein größeres gespannt, erkannte ich, dennoch strebte alles auseinander, flog ungeordnet in die himmel. ich schwappte über, und suchte ein irdisches glück. unbelehrbar wie ein silberfisch, so sah ich mich: vorne fett und hinten spitz.

2
das leben bejahen: die produzentin anrufen, mit den schultern rollen, mit den paraphrasen aufhören, die lebensform wechseln, einschalten, ausschalten, tante herta anrufen. das leben spenden. kommen –––––, und gehen. das getue hinterfragen. die ritualgeräte entweihen. alles entheiligen. sich gegen die zeit stellen, und in sie hinein wie in kneippkur. lachen: über die eigenen hände, die kameraführung, über das nicht-einhalten der zeitenfolge, die falschen requisiten, den schlecht geschriebenen dialog: in diesem lebensfilm!

meine visagisten
treten vor,
sie stimmen ein lied an,
das mich entlastet
und sie

diese szene rührt und
verpflichtet uns,
wir erfinden
eine freiheit, die
uns bindet







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TEILWEISE DU, 1+2 ___ 2024
farbstift, collagiert
21 x 29,7 cm







meine namen 30

die betriebsnudel / kleine melancholie als mensch / eure trösterin am wahltag / codewort: »schmutzige ewigkeit« / kunstpause / tuchfühlung im thermenressort: erst nach 18 uhr 30 / mantikerin von beruf (»erstens: weil ich nichts anderes kann, zweitens: weil ich nichts anderes will«) / engagiert im hundekampf – und total frei in gedanken

»halbherzigkeit« – in meinem gesicht / jedes gefühl: im mittleren bereich / eine hand auf deiner bisswunde, eine hand in deinem mund / ein extra wegen der schlechten aussicht / ein bussi von tante charlie: »adieu, ihr stubenhocker, ich zieh’ aus: ich kann euch nicht mehr seh’n!«

ei mit ei / kleine vernunftgründe ohne wirkung / halsband am knöchel, ideen im kübel, wünsche nur ans christkind, sexy wäsche heute nicht ––

auftragskind / anhimmlerin gegen honorar / kleiner fleck so klein wie mein nabel: mickrig wie dein wort als reaktion auf meinen schmerz / die geschwisterstatisten und ich auf der ersatzbank: heini, haim, hizzie, herbert

verschämter pudel nach der kollekte (»ich schwöre, ich hatte kein geld dabei!«) / sandburg zur veranschaulichung unserer innenwelt (gar nicht mysteriös) / erklärungen, drinks und rahmenhandlung: im geraden regen / lässige lösung / schwester-sein ohne reue (nach der probezeit) / lippenbekenntnis weil unter druck / härte im ansatz / eine kleine zärtlichkeit von udo, weil ein schaltjahr kommt / libella, die libellenfrau / hasi

oase im tristen trott: mein katzen-miami / liebe im badischen bahnhof / ersatzhandlung am klo / witze beim händchenhalten / chatty mimmi, mein alter ego / endlich dein name – statt meiner!

san sebastian und der anfang jeder ehe / malediven-tattoo von axel unterm knie / kuscheltier in der pflicht / du: fix in meinem griff wie eingegipst / heute die schönheit der herden, morgen das gegenteil / ein podest für unsere ziele – und ein schacht, in dem wir wohnen können, wie der bürgermeister sagt / zimperlich bis zum ende / »zu einsam während der dienstagsschicht«, gezeichnet: lousy luisi

geheimagentin manuela außer dienst, mittagsfrau, wirbelwind seit 1986, problem-karin, die suchtlerin aus der vorstadt, fels-in-der-brandung-aber-leider-ohne-jede-passion:
clarissa sucht sich sowieso selber eine aus! ––





97_/25



















GROSSE PAUSE ___ 2024
filzstift, bleistift, acryl, collagiert
14,8 x 21 cm







meine namen 29

selbstbezüglichkeit, eitelkeit, achselzucken: LASST MICH FREI !!

fernsehzeit, abendübung, zähneputzen, mantra aufsagen, 2 euro obolus ins sparschwein und dann ab ins land der träume, ihr koyoten! (alle abläufe in halber geschwindigkeit, alle demütigungen erst wieder ab morgen, 13 uhr)

titel: »orchestriertes chaos«, note: 3– / nacktansprache und verschleppte auslegung heikler textstellen von der kanzel bis wir schlafen, selig

ein gefühl wie honig im hirn (zwei bewegliche gedanken aus 2011 waren noch unterwegs in der dunkelheit und fragten sich durch: gute reise, ihr eigenbrötler!) / ein handgezeichnetes bild meiner sehnsucht für die tombola von schwester pia / tagespensum: A bis E / schlussbild: sie sprach aus überzeugung im park vom umgedrehten kübel herab: »verhelft uns zu einfachheit, ihr tugendrichter!« / logik und syntax und schlangen, die uns verschlingen / selbstaufgabe ? oder leben wie kreti und pleti ? wissen wir, wie’s geht ?? / aus der obhut der klosterfrauen in die hände der vereinsmeier: plansoll erfüllt, uschi / ein schlüpfriges gesamtwerk, weggesperrt für generationen wegen der moral der »upper class«, oh!

ekstase: im markierten bereich

aufschrei des erschöpften bürgermeisters edwin s.: »ich kann meine eigene schrift nicht lesen, ich versteh euch nicht mehr durchs telefon, meine hose ist nicht da, wo sie war. lasst mich nicht allein auf diesem foto über meiner kolumne, mit der ich euch zu besseren menschen machen wollte und in der ich doch nur von mir sprach. habt nachsicht jetzt!, ich seh es ja ein und:
ich verzeihe mir!«

ein missgeschick, ein lebensfehler, das große versagen in der koppel, im entscheidenden moment, an der entscheidenden stelle: milano blue, ich habe trotzdem nur augen für dich –– / das bühnenlicht wird rot und blau und wieder rot und wieder blau, dann kommt der hinweis im obertitel: »jetzt erscheint der endgegner«

codewort: »du stehst mir im weg«





97_/24



















SAMSTAG MIT PIMKY ___ 2020/2024
kreiden, filzstift, buntstift, acryl, collagiert
15 x 15 cm