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emese:
emese liest in fabriktagebüchern, in exilromanen, in der poesie von leuten, denen vieles zugestoßen ist. sie merkt: diese menschen neiden den verschonten nichts. 

emese liest in den notizen verstreuter, versprengter. – es sind wilde biografien, die umso lakonischer erzählt sind: ruhig, in bescheidener haltung; gleichwohl beharrend auf dem recht, dies alles selbst zu sagen: das unwägbare, das unverhohlen gemeine, das unrecht, das geschehen ist und das weiter geschieht, das besonders ist und trotzdem ein tagesgeschäft.

emese macht sich notizen an den rändern der seiten, zeichnet pfeile, kreuze, schreibt kurze wörter, stichwörter auf. es ist keine kurz-, keine geheimschrift, die sie verwendet, es sind bloß ihre eigenen abkürzungen, enstanden und geschliffen über jahre des lesens hinweg: wer würde diese bücher einmal finden, sie verwenden? die annotationen enziffern? – und: was gilt das alles?, gilt es vielleicht nichts?